100 Punkte Weine als Messlatte der Wein Welt04.12.2017

Blog Beitrag von Sommelier - Heribert Steiner| 01.12.2017

Als Wein-Event des Jahres wurde es bezeichnet – geworden ist es vermutlich das Wein-Event des Jahrzehntes das am 24.11.2017 in Söll im Hotel GREIL stattfand. Sagenhafte 38 mit 100 Parker Punkten ausgezeichnete Weine aus aller Welt mit einem geschätzten Warenwert von ca. 25 000 € wurden innerhalb von 4 Stunden von einem mehrköpfigen Fachjuroren Team sowie einem erlesenen Weinpublikum degustiert.

Die Eintrittskarte zu diesem Event war recht simple, organisier dir einen mit 100 Parker Punkten bewerteten Wein der nicht jünger als Jahrgang 2010 ist und du bist dabei. Knappe 1 ½ Jahre dauerte die Planung und Organisation dieses außerordentlichen Events. Die Frist für die Einreichung der Weine endete am 30. Juni 2017 und schon zu diesem Zeitpunkt war klar, dass dies keine herkömmliche Weinverkostung werden wird. Um die Veranstaltung im richtigen Ambiente zu positionieren wurde eigens dafür das komplette Schwimmbad des Hotels umgebaut sowie alle nötigen Materialien und Geräte dorthin transportiert. Über 250 mundgeblasene Gläser der Firma Riedel waren an diesem Abend im Einsatz um die vielleicht besten Weine der Welt perfekt zu präsentieren. Zweifelsfrei musste nach dieser ausgiebigen Verkostung auch etwas für das leibliche Wohl getan werden, hier stand alles im Zeichen des TV-Kochs Mike Süßer und dem aktuellen Grillmeister in der Königs Disziplin „pork shoulder“ Gerald Hochgatterer, die auf 3 „Green Eggs“ ein 6-gängiges Menü zauberten.

Avantgarden der Wein Welt

Um einen solchen Event der Extraklasse zu kommentieren war es notwendig Unterstützung von außerordentlichem Fachwissen ins Boot zu holen, es gelang drei Weinkoryphäen aus dem deutschsprachigen Raum zu verpflichten. Der TV Kritiker, Gastronom und Starsommelier Gerhard Retter war sofort Feuer und Flamme als er von dieser außergewöhnlichen Idee hörte. Desweiteren gelang es den langjährigen Clubpräsidenten der Weinakademiker und Österreichs Wein-Experte Nr. 1 Willi Balanjuk nach Söll zu bringen. Die muntere Runde wurde durch den stellvertretenden Chefredakteur des Meininger Wein Verlags Sascha Speicher abgerundet. Mit diesen drei Experten hatte man enormes Weinwissen und Hintergrund Informationen die man sonst nur in Lexika oder auf den jeweiligen Weingütern bekommt. Desweiteren sorgten die drei Herren laufend für eine unterhaltsame Konversation auf dem Podium und nie hatte man das Gefühl auf einer stocksteifen Verkostung sich zu befinden. Auch das Publikum wurde immer wieder proaktiv in die Diskussionen mit eingeschlossen und über Ihre mitgebrachten Weine befragt.

Highlights

Unter 3800 Parker Punkten Glanzlichter raus zu picken ist dementsprechend schwierig da die Vorlieben bei jedem der Besucher unterschiedlich sind, doch gibt es immer wieder Weine die sich einfach noch ein Stück vom Rest absetzen können. Bei diesem Event waren dies wie folgt: Torbreck Runrig 2010 absolute Überraschung, Syrah aus Australien mit einem Reben Alter von bis zu 140 Jahren! Ygay Blanco Gran Reserva 1986 vom Weingut Marques de Murrieta aus dem Rioja, insgesamt 21 Jahre im Eichenfass gelagert, toller Stoff. Der einzige 100 Punkte Wein aus Österreich, der 1995er Riesling Vinothek vom Nikolaihof war wie immer schwer umstritten und mit einem leichten Korkschleicher versehen. Ermitage Le Pavillon 1991 von Chapoutier eine Granate. Margaux 1996 punktete mit seiner unglaublichen Eleganz und Sinnlichkeit. Leoville Las Cases 1986 ein Monument von Wein der es verdient hätte als Premier Grand Cru Classè durchzugehen. Cheval Blanc 2005 mit seinem hohen Anteil an Cabernet Franc 49% samt seidigen Tanninen, einfach nur ein delikater Wein. Wiederum sollte man in Zukunft seine Augen offen halten für Kalifornien, Spottswoode Estate Grown Cabernet Sauvignon 2010 keine Spur von Überreife oder zu viel Konzentration, toller Trinkfluß. Chateau Y`quem 2001 aus der Magnum mit einem betörenden Bukett und unglaublicher Sauternes Frische. Für viele das absolute Highlight der Verkostung der Moscatel Sherry von Valdespino aus dem Solera System mit bis zu 80-jährigen Weinen, grandios! Eine kleine Enttäuschung war der Pape Clement 2010 der einfach nur überreif und in Richtung Rumtopf ging, hier wird die Zeit zeigen ob es noch ein großer Wein werden wird. Aus Italien waren die Highlights der Brunello 2010 von Casanova di Neri sowie der Zeitlose Klassiker Massetto 2006 von Ornellaia. Haut Brion 2005 groß, die Flasche Haut Brion 2009 nicht in bester Verfassung und natürlich der immer etwas strittige Mouton Rothschild, der nicht immer in der Wein Welt als Premier Grand Cru Classè akzeptiert wird. Jedoch gibt es keinen Zweifel das 1982 wahrlich ein bemerkenswerter Wein ist der sein Status mehr als verdient hat. Erwähnenswert natürlich auch der einzige Piemonteser Wein der Runde der Barolo 2004 aus der Top Lage Monfortino vom Weingut Conterno, dieser Wein hat Potenzial ohne Ende.

Wo ist der immer kritisierte Parker Stil?

Als Sommelier und Wine Geek betrachtet man die ganze Punkte Skala oft mit einem traurigen Auge, da uns das sogenannte Zahlensystem nicht nur positive Aspekte gebracht hat sondern vor allem auch unbezahlbare Weine, siehe Petrus oder Romanee Conti. Leider wird Wein heute oft nicht mehr als Genussmittel angesehen sondern sehr häufig nur mehr gehandelt als Investition von Bankern, Anwälten, Unternehmern etc. und dort spielen die Punkte eine wesentliche Rolle für den Einkauf der Subskription. In welchem Kontext steht die Wertigkeit eines Weines wenn er mit 100 Punkte bewertet worden ist und was sagen 100 Punkte den nun wirklich über einen Wein aus? Insbesondere wenn wir wissen wie viele Stadien ein Wein in seiner Laufbahn durchquert, von Primärfrucht zu Sekundär sowie Tertiär Aromen. Robert Parker wird oft kritisiert für seine angebliche Affinität zu vollmundigen und reifen Weinen, wenn etwas bei dieser Verkostung aufgefallen ist dann das der Großteil dieser herausragenden Weine einen wunderbaren Trinkfluss besaßen und mit enormer Eleganz verzückten. Selbst die Neue Welt Weine kann man nicht einfach in diese Schublade stecken. Also wo ist dieser Parker Stil der so oft in der Wein Welt kritisiert wird und bei dieser einmaligen Verkostung nicht zum Vorschein kam, vielleicht sollte man sich die Frage stellen ob man Robert Parker nicht oft zu schnell verurteilt.

Unser Resümee dieser einmaligen Verkostung war das es voller Erfolg war und das bei einem oder zwei Gläsern Wein doch oft die besten und spontansten Ideen zustande kommen. Deshalb freuen wir uns schon heute auf die Zukunft wenn wir wieder einmal so eine verrückte Idee in die Tat umsetzen dürfen, wir werden euch definitiv auf dem Laufenden halten.

Euer Sommelier Heribert